Alle wollen César Franck!

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Alle wollen César Franck!

Wenn in den letzten 15 Jahren ein französischer Komponist die Frechheit hatte, sich auf das Terrain der instrumentalen Musik zu begeben, dann hatte er keine Möglichkeit, seine Werke aufzuführen, als selbst ein Konzert zu geben.Camille Saint-Saëns: La Société nationale de musique
César oder Cäsar Franck?
Ornament an der Basilika St. Clotilde in Paris (Foto: Niklas Rudolph)

Ornament an der Basilika St. Clotilde in Paris (Foto: Niklas Rudolph)

„Cäsar“ Franck. Tzäsar. Wie in Asterix und Obelix. So findet man den französischen Komponisten César Franck („Sssäsaar“) noch in vielen deutschen Lehrbüchern. Schuld daran sind – wie üblich – die Nazis.

César Franck erlebte die großen französischen Revolutionen des 18. Jahrhunderts. Politisch wurde er dabei nur selten. Es gibt eine Ode für das belagerte Paris, eine für Napoleon, mehr lässt sich auch nicht ausmachen. Nachdem er gestorben war, änderten die Dinge sich aber grundsätzlich.

Alle wollten César Franck:

Die Belgier
César Franck wird 1822 in Lüttich geboren. Belgien gibt es noch nicht, das Land gehört noch zu einem großen Teil zu den Niederlanden. 1830 erklärt sich das Land dann unabhängig und muss Franzosen, Flamen, Wallonen und Deutschen unter einen Hut zu bringen. Ein Nationalkomponist ist da hilfreich (vgl. Nationaldichter, Nationaloper, …).
Die Franzosen
Schon früh hat Césars geschäftssinniger Vater das Wunderkind nach Paris gebracht, wo er Unterricht am renommierten Conservatoire nehmen sollte. Tatsächlich verbrachte César Auguste Franck die meiste Zeit seines Lebens in der französischen Hauptstadt, insbesondere als Kirchenmusiker an St. Clotilde.
Die Deutschen
César Franck wurde in Deutschland schon zu Lebzeiten beachtet. So hat Franz Liszt zum einen dafür gesorgt, dass César die Arschbacken zusammen kneift und den Konflikt mit seinem Vater sucht. Zum anderen aber hat er sich bei Mendelssohn-Bartholdy für César Francks Kammermusik eingesetzt.
Der Musikwissenschaftler Michael Stegemann (Foto: Niklas Rudolph)

„Das ganze harmonische Denken Francks ist dem von Wagner sehr ähnlich“, sagt der Musikwissenschaftler Michael Stegemann (Foto: Niklas Rudolph)

Nach 1933 begannen die Nazis damit, Gebiete, in denen deutsch gesprochen wurde, in das deutsche Reich einzugliedern. Die Nazis begründeten ihr Vorgehen auch mit César Franck. Denn dieser sei „Volksdeutscher“ – seine Mutter stammte aus Aachen, sein Vater aus einem kleinen Ort jenseits der deutschen Grenze. „Mit der Eingliederung der belgischen Gebiete ist auch die Heimat Cäsar Francks ins Reich zurückgekehrt“, schreibt 1938 der Aachener Musikwissenschaftler Reinhold Zimmermann.

César Franck wird zum französischen Wagner hochgejazzt. Nie verstanden worden, sei er in Paris. Erst er – der „reine Arier“ – habe den Franzosen ihre Kirchenmusik geschenkt.

By | 2016-10-29T19:38:45+00:00 November 8th, 2015|On Air|0 Comments

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