Oper und Konzert reloaded

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Oper und Konzert reloaded

Oper und Konzert reloaded

Nicht immer muss ein Handy im Konzertsaal oder in der Oper stören: In Wuppertal wird ausprobiert, über das Smartphone zusätzliche Informationen zur Inszenierung zu geben. Und die Dortmunder Philharmoniker haben zum ersten Mal die App wolfgang ausprobiert, die bereits in anderen Ländern häufig zum Einsatz kommt.

 Musikjournalist Niklas Rudolph hat die beiden Apps „wolfgang“ und „Share your Opera“ getestet.

„Share your Opera“ habe ihn zu sehr vom eigentlichen Geschehen abgelenkt, sagt Niklas Rudolph. Die Inszenierung des Rigoletto selbst sei schon auf Reizüberflutung angelegt gewesen. Die Handlung war in Wuppertal als Polit-Thriller inszeniert, deswegen flimmerten ständig Breaking News, Wahlergebnisse und Gesichter von fiktiven Politikern über insgesamt vier Bildschirme. Dazu kam dann noch sein kleines Smartphone.

Ursprünglich entwickelt für Übertitel

Die App „Share your Opera“ ermunterte ihn beispielsweise an einem Gewinnspiel teilzunehmen: Er empfing ein Bild mit etwa zehn Gegenständen auf seinem Telefon. Und nun sollte Niklas Rudolph herausfinden, welcher dieser Gegenstände nicht auf der Bühne zu finden sei. Der Gewinn war ein Freigetränk, wenn man unter dem Hashtag „Share Your Opera“ sein Opernerlebnis mit anderen Teilnehmern teilen würde. Das artete ein wenig aus, erzählt der Musikjournalist. „Ich kann mich noch dran erinnern, dass ich wie wild Bildchen herumgeschickt habe und als ich wieder auf die Bühne geschaut hab, da war da auf einmal ein komplett anderes Bühnenbild. Kurzum, wenn mich die App nicht darauf hingewiesen, ich hätte nicht viel mitbekommen von dem wirklich wunderbaren Ensemble der Oper Wuppertal.“

Niklas Rudolph erklärte, dass die App eigentlich für einen anderen Kontext entwickelt worden sei. An der Wiener Staatsoper war sie für Open Air Veranstaltungen eingesetzt worden, um dort den Passanten die Übertitel in ihrer jeweiligen Muttersprache anbieten zu können.

Erledigt vom Zuhören

Die App „wolfgang“ dagegen gefiel Niklas Rudolph sehr gut. Sie ist ganz dezent designt, schwarzer, neutraler Hintergrund und dann, ganz langsam, wurde auf dem Bildschirm ein kurzer Text eingeblendet – zu dem, was er gerade hören konnte: „Mit klingelnden Schellen setzt sich Mahlers Vierte in Bewegung, seine heiterste und zugänglichste Sinfonie. Die Streicher stellen ein klassisches, unbesorgtes Thema vor; eines das Mozart und Haydn genauso gut hätten schreiben können.“ Und das blieb dann 20 Sekunden lang auf dem Bildschirm stehen. Er habe in dieser Zeit genau hinzuhört – und tatsächlich habe er selten so instensiv zugehört – nach dem Konzert sei er richtig erledigt gewesen.

Die Idee zur App kam dem Entwickler Johan Idema durch seinen Onkel, erzählte er: „Er hat mich mit ins Konzert genommen, als ich acht oder neun Jahre alt war. Und während der Vorstellung flüsterte er in mein Ohr, was in der Musik passierte. Wie in einer Trance habe ich so wirklich gehört, was gerade passierte. Und später habe ich mir gedacht: Diese Erfahrung könnte auch eine App bieten, die genauso arbeitet.“

Für Niklas Rudolph hat dieses Konzept gut funktioniert. Dass so eine App in der Lage wäre, andere jüngere Menschen ins Konzert zu locken, glaubt er aber nicht.

By | 2017-11-14T01:29:45+00:00 November 14th, 2017|On Air|0 Comments

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